Persönlichkeitstests

Wir wollen uns hier etwas detailierter mit den verschiedenen Arten von Persönlichkeitstests beschäftigen und die wichtigsten Vertreter von heute verwendeten Tests ansehen.

Generell sollte gleich zu Beginn klargestellt werden, dass es bei diesen Tests nicht wirklich darum geht eine Person zu "testen". Es geht vielmehr darum, verschiedene Persönlichkeitsmerkmale einer Person zu erfassen und basierend auf diesen Informationen können dann je nach Anwendungsfall Entscheidungen getroffen werden.

Es ist also wichtig, dass es bei Persönlichkeitstests kein generelles besser oder schlechter gibt, sondern die einzelnen Merkmale einer Person je nach Anwendungsfall unterschiedlich bewertet werden müssen.

Ganz unabhängig davon ist auch klarzustellen, dass einzelne Merkmale nicht isoliert betrachtet werden dürfen, sondern immer im Zusammenspiel mit anderen Merkmalen (und der Situation) betrachtet werden müssen.




1. Persönlichkeit

Bevor Tests in Bezug auf die Persönlichkeit von Personen umgesetzt werden können, stellt sich die Frage was "Persönlichkeit" eigentlich ist.

Hier gibt es unterschiedlichste Definitionen - wir wollen uns hier die Definition von Pervin als weitere Grundlage nehmen:

"Persönlichkeit repräsentiert solche Eigenschaften einer Person oder der Menschen generell, die ein beständiges Verhaltensmuster ausmachen." (Pervin, 1993)

Damit man die Persönlichkeit, also die beständigen Verhaltensmuster von Personen, beschreiben kann und daraus auch individuelle Vorhersagen treffen kann, gibt es verschiedene Persönlichkeitstheorien.

Persönlichkeitstheorie behandeln dabei drei Fragen bezüglich Personen:

  • Was für eine Person ist das? (Statische Struktur)
  • Warum verhält sich die Person so? (Dynamischer Prozess)
  • Wie wurde die Person so? (Zeitliche Entwicklung)

Diese Persönlichkeitstheorien liegen also den Persönlichkeitstests zugrunde.

Dabei ist auch zu berücksichtigen, dass Theorien immer auch von unterschiedlichsten Einflussgrößen bestimmt sind - und nicht unbedingt so unvoreingenommen entwickelt werden, wie man allgemein vermuten würde.

Alleine die Anwendung und Nutzung von Persönlichkeitsmerkmalen, welche mit Zahlen hinterlegt werden, stellt bereits eine gewisse Sichtweise auf den Menschen und Personen dar, welche nicht von allen Richtungen geteilt wird.

Doch diese philosophischen Fragen wollen wir hier nicht weiter vertiefen.

2. Arten von Persönlichkeitstests

2.1. Persönlichkeitstypologien

Bei Persönlichkeitstypologien wird eine große Anzahl von Eigenschaften einer Person auf einige wenige Typen reduziert. Diese Art von Tests bzw. Typisierung verwenden man heute (für unsere Anwendungsfälle) eigentlich nicht mehr, da die Aussagekraft sehr eingeschränkt und fehleranfällig ist.

Dennoch wollen wir uns zwei solche klassischen Typologien ganz kurz ansehen, damit man einen besseren Eindruck davon bekommt, wie die Persönlichkeit historisch klassifiziert wurde.

Typologie von Kretschmer

Ernst Kretschmer, ein deutscher Psychiater, erforschte die menschliche Konstitution und stellte darauf basierend eine Typenlehre auf.

Auf Basis seiner Typenlehre identifizierte Kretschmer die Typen des Leptosomen, des Pyknikers und des Athletikers. Damit stellte Kretschmer einen Zusammenhang des Körperbaus mit den psychischen Eigenschaften von Personen her.

Typologie von Sheldon

William Sheldon, ein amerikanischer Mediziner und Psychologe, kritisierte die Arbeiten von Kretschmer und versuchte eine objektivere Herangehensweise.

Dazu definierte er einen eigenen Körperbauindex und kam auf endomorphe, mesomorphe und ektomorphe Typen.

Kritik an Typologien

Die genannten Typologien sind zu grob und die Anzahl an Typen ist viel zu gering, um sinnvolle Aussagen über Personen zu treffen. Auch der Rückschluß von körperlichen Merkmalen auf psychologische Merkmale konnte bis heute nicht abgesichert werden.

2.2. Faktorenbasierte Persönlichkeitstests

Da die Persönlichkeitstopologien neben anderen Schwächen auch eine viel zu geringe Unterscheidungskraft haben, stellt sich die Frage wieviele Dimensionen notwendig sind, um Personen ausreichend differenzieren zu können.

Neben der Anzahl an Dimensionen (also unterschiedlichen Merkmalen) ist auch noch die Anzahl an Stufen pro Dimension zu unterscheiden.

Nimmt man hier etwa 8 Milliarden Menschen als Basis und geht von 5 bis 9 Stufen pro Merkmal aus, dann ergeben sich etwa 10 bis 14 Dimensionen.

Die Zahl von 5 bis 9 Stufen pro Merkmal wählt man, da Menschen etwa 5 bis 9 Stufen noch gut unterscheiden können. Bei weniger Stufen gibt es zu wenig Unterscheidungsmöglichkeiten und bei mehr Stufen wird es schwierig den Unterschied zwischen zwei Stufen anzugeben.

Daher findet man in den meisten Fragebögen von Tests auch 5 bis 9 Antwortmöglichkeiten bzw. Abstufungen.

Ein Modell, welches 16 Stufen verwendet, wird als nächstes betrachtet.

3. 16 Persönlichkeits-Faktoren-Test (16PF)

3.1. 16 PF Überblick

Raymond Bernard Cattell, ein britisch-amerikanischer Persönlichkeitspsychologe, hatte es sich zum Ziel gemacht, eine Art "Periodensystem" der menschlichen Persönlichkeit zu erstellen.

Cattell nutzte für die Ableitung seiner Persönlichkeitstheorie nicht nur Fragebögen, sondern griff auf 3 verschiedene Datenarten zurück:

  • Fragebogen, Selbstbeschreibung (Q-Daten)
  • Lebensereignisse (L-Daten)
  • Testdaten (T-Daten)

Cattell nahm die Wörter der englischen Sprache und extrahierte daraus 171 Gegensatzpaare, welche Zustände, Werturteile und Metaphern ausdrücken.

Diese Wortpaare wurden nun genutzt, um erwachsene Personen zu testen und nach einer Faktorenanalyse ergaben sich 12 Faktoren.

Durch einen zusätzlichen Selbsteinschätzungstest ergaben sich insgesamt 16 unterschiedliche Faktoren der Persönlichkeit - die sogenannten Primärfaktoren.

3.2. 16 PF Test Faktoren

Der ursprüngliche 16PF Test, wie der Name schon sagt, beinhaltet also 16 möglichst unabhängige Persönlichkeitsfaktoren:

3.3. 16 PF-R Test